Donnerstag, 8. Dezember 2011

Lasciate ogni speranza, voi ch'entrate!

Lasciate ogni speranza, voi ch'entrate!Nel mezzo del cammin di nostra vita / mi ritrovai per una selva oscura, / ché la diritta via era smarrita. / Lasciate ogni speranza, voi ch'entrate!
Das war so ungefähr der Geisteszustand, in dem ich mich befand. Überall um mich herum konnte ich den langsamen, begonnenen Zusammenbruch einer Zivilisation beobachten. Wir hatten noch ein gutes Stück Weg zu gehen, sicher. Aber es war alles bereits angelegt, und es gab kaum einen Ansatz, den lange schon laufenden Prozess noch rechtzeitig umzukehren. Das Gesellschaftssystem, nach dem wir lebten, und zu dem wir uns keine Alternative vorstellen konnten, war von vorne bis hinten falsch angelegt: seine Werte, seine Ziele, seine Medien, seine Mittel – alles war keinen Schuss Pulver wert. Wir selbst waren durch und durch nach diesem System geformt, und so waren wir selbst größtenteils auch keinen Schuss Pulver wert. Wir waren angstzerfressene, ideenlose, leere Hüllen, die alle nur nach einem strebten, nach jenem einen, magischen Medium, das die Welt verhieß und doch nichts anderes war als der Urgrund für ihre Zerstörung: Geld. 

Solange Geld unser heiligster Wert war, solange würden wir sterben. Aber wie hatten keine Idee, was an des Geldes Stelle treten könnte; wir waren uns ja noch nicht einmal darin einig, dass das Geld das Problem war. Wir schoben den Zustand der Dinge mal auf dieses, mal auf jenes, auf einen Stellvertretergrund nach dem anderen, und alles, was wir versuchten in der immer frenetischer werdenden Suche nach einer Abhilfe, lief stets nur auf mehr desselben hinaus. Und so rutschten wir Tag für Tag ein Stück weiter hinab auf der abschüssigen, schlüpfrigen Rutschbahn, die hin zu unserem Ende führen würde, einem ganz wortwörtlichen Ende, dem Ende von Erde, Luft, Wasser, Energie, Nahrung, Gesundheit, Friede, gutem Willen und gesundem Menschenverstand.
 

Was das Verhängnisvollste war: dass wir das Geld als eine Erweiterung unserer selbst ansahen, es nicht nur zu einem Bestandteil unseres Handelns und unserer Beziehungen, sondern unserer eigenen Persönlichkeiten gemacht hatten. Wer das Geld verändern wollte, musste sich selbst verändern. Wer die Welt retten wollte, musste sich selbst aufgeben. Das wäre kein Hexenwerk, tausende von Menschen hatten es vollbracht in den langen Annalen der Menschheitsgeschichte, und es verursachte keine anderen als eingebildete Schmerzen; diese Tat jedoch in genügend großer Anzahl und in so verschwindend kurzer Zeit zu vollziehen, dass sie noch einen Unterschied bewirken würde, das war die Herausforderung unserer Zeit, an uns alle, ans Menschengeschlecht, und die Chance dafür standen nicht eben berauschend – weil diese ganze Welt, die wir geschaffen hatten, mit all ihren Werten, Zielen, Medien und Mitteln, dieser Tat im Wege stand. 

Wer die Welt retten wollte, musste sich gegen die Welt stellen, mit Haut und Haar, willentlich und mit einem Lächeln auf den Lippen. Er musste sich selbst befreien von allem, was uns unsere Leben lang eingetrichtert, eingehämmert worden war, und sich neu erfinden in einer Zivilisation auf dem Weg in den Abgrund, einer Zivilisation des Neids, des Hasses, des Misstrauens und des Eigennutzes. Wir mussten selbstlos, liebevoll, vertrauensvoll und ausschenkend werden, und alles, was um uns war, sprach dagegen an. Prost Mahlzeit. Das war alles, was ich dazu sagen konnte.

1 Kommentar:

  1. Sie haben einen sehr schönen Text geschrieben und bis heute keinen Kommentar erhalten.
    Das macht mich traurig, also schreibe ich nun einen Kommentar. :)

    Ich nehme Ihre Argumentation als sehr emotional war, was nicht falsch sein muss.
    Sie beschreiben vor allen Dingen sehr interessant die Psychologie der Krise.
    Sie haben sich viel Mühe bei der Wortwahl sowie der Textgestaltung gegeben.
    Das finde ich großartig.
    Ich mag Ihren Text. <3 <3 <3

    Liebe Grüße, Ihre Auc

    AntwortenLöschen