Montag, 25. April 2011

Lernen über das Handwerk

James Ellroy galt als einer der besten Krimi-Autoren unserer Zeit, zumindest, wenn man ihn selber fragte. Ich las ihn, um von ihm zu lernen, und tatsächlich lernte ich eine ganze Menge.

L.A. Confidential war ein großartiges Buch. Ich hatte damals zuerst den Film gesehen und stellte nun fest, dass Film und Buch nichts miteinander teilten außer den Namen der Protagonisten und die eine oder andere Szene. Der Film war (dennoch, gerade) ein Meisterwerk. Das Buch war es auch. Zwei vollkommen verschiedene Geschichten, aber so war es. 
L.A. Confidential, das Buch, nannte jedenfalls den aufgeblasensten Plot sein eigen, den man sich denken konnte. Was die (beliebige) Konstruktion von Zusammenhängen anging, konnte man von Ellroy viel lernen. Zugleich, und das war fast noch interessanter für mich, verstieß er fortlaufend und andauernd gegen eine der wichtigeren sogenannten Regeln, die für das Schreiben galten: Show, don't tell. Er zeigte wenig und berichtete die ganze Zeit, und trotzdem funktionierte seine Story, legte ich das Buch nicht aus der Hand und verschlang ich seine fünfhundert Seiten in zweieinhalb Tagen und Nächten.

Dann ging ich zurück in der Zeit und machte die gegenteilige Entdeckung: Ellroys (chronologisch gesehen) zweiter Roman, Heimlich, geschrieben Jahre zuvor, funktionierte überhaupt nicht. Er klang nicht wie Ellroy, sondern wie Murakami, und er war nicht konstruiert wie ein Ellroy, sondern wirkte wie ein beliebiges Versatzstück aus Szenen, die man genausogut aus einem Hut ziehen konnte. Der Hut hätte vermutlich sogar mehr Sinn ergeben. Vielleicht gab es am Ende eine Auflösung, die der Rede wert war, aber bis dahin kam ich nicht. Die ganze Story war sauer wie ein Bohneneintopf, den man in der Sonne gelassen hatte. Und zeigen tat er hier auch nicht besonders viel.

Der Ellroy von heute war vielleicht ein großer Autor, auf jeden Fall einer, den ich gerne las. Zu sehen, wie klein und unbedarft und, pardon, schlecht er begonnen hatte, erfüllte mich mit Freude, besonders, da mir bewusst war, wo er heute stand. Da konnte man mal sehen, wie man sich entwickeln konnte. Da konnte man's wirklich mal sehen.

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